Warum Smart TVs so billig sind: Der schockierende Preis, den du wirklich zahlst und wie du ihn stoppst

Moderne Smart TVs sind längst mehr als nur Bildschirme – sie sind vernetzte Computer mit Internetanschluss, Apps und umfangreichen Datensammel-Funktionen. Was viele Nutzer nicht wissen: Ihr Fernseher beobachtet sie genauer, als ihnen lieb sein dürfte. Die Technologie dahinter heißt ACR steht für Automatic Content Recognition und sie protokolliert alles, was über den Bildschirm flimmert – egal ob Streaming-Dienst, lineares TV-Programm oder Inhalte von angeschlossenen DVD-Playern und anderen externen Geräten.

Was genau ist ACR und warum sollte es dich interessieren?

Die automatische Inhaltserkennung erfasst mehrmals pro Sekunde, was auf deinem Fernseher läuft. Dabei werden Audio- oder Bildsignale aufgenommen und in digitale Fingerabdrücke umgewandelt, die dann mit einer riesigen Datenbank abgeglichen werden. So identifiziert das System, welche Sendung, welchen Film oder welche Werbung du gerade siehst. Das funktioniert ähnlich wie Shazam bei Musik – nur eben für sämtliche TV-Inhalte.

Die gesammelten Informationen werden von den Herstellern zu detaillierten Nutzungsprofilen zusammengefasst. Samsung, LG, Sony und andere Anbieter nutzen diese Daten für personalisierte Werbung und Inhaltsempfehlungen oder verkaufen sie an Kundendaten-Aggregatoren. Das Geschäft mit deinen Sehdaten ist lukrativ und ein wesentlicher Grund, warum Smart TVs oft günstiger sind als vergleichbare Modelle ohne Internetfunktion.

Besonders bemerkenswert: ACR funktioniert unabhängig von der Inhaltsquelle. Forscher haben nachgewiesen, dass die Technologie auch Inhalte erfasst, die von über HDMI angeschlossenen externen Geräten wie DVD-Playern oder Laptops kommen. Selbst wenn du deinen Smart TV nur als Monitor verwendest, kann ACR aktiv sein und deine Sehgewohnheiten protokollieren.

Woran erkennst du, dass dein Smart TV dich überwacht?

Die meisten Smart TVs werden mit aktiviertem ACR ausgeliefert. Während der Ersteinrichtung werden die entsprechenden Funktionen oft in kryptischen Formulierungen versteckt oder mit scheinbar harmlosen Bezeichnungen versehen. Die Hersteller nennen ihre Datensammlung nicht direkt ACR, sondern erfinden kreative Namen dafür. Samsung nennt seine ACR-Technologie ‚Viewing Information Services‘, andere sprechen von „personalisierten Empfehlungen“ oder „Nutzererlebnis verbessern“ – dahinter verbirgt sich aber immer die Datensammlung.

Ein eindeutiges Indiz für aktives ACR ist personalisierte Werbung, die verdächtig genau zu deinen Sehgewohnheiten passt. Wenn dir plötzlich Anzeigen für Produkte angezeigt werden, die in Sendungen vorkamen, die du kürzlich gesehen hast, ist das kein Zufall. Auch die Start-Menüs moderner Smart TVs sind mittlerweile vollgestopft mit Werbebannern, die auf Basis deines Nutzungsverhaltens ausgespielt werden.

So deaktivierst du ACR auf deinem Smart TV

Die gute Nachricht: Du kannst ACR deaktivieren, und Forschungsberichte bestätigen, dass die angebotenen Datenschutz-Optionen tatsächlich einen Effekt haben. Die schlechte: Die Hersteller machen es dir nicht gerade leicht. Die entsprechenden Optionen sind tief in den Menüs vergraben. Bei manchen Herstellern musst du zwischen sechs und elf unterschiedliche Einstellungen anpassen, um die Datensammlung wirklich zu stoppen.

Da sich die Menüpfade je nach Marke, Modell und Betriebssystemversion unterscheiden, lohnt es sich, vor der Deaktivierung eine Internetsuche mit der genauen Typenbezeichnung deines Fernsehers durchzuführen. Die wichtigsten Ansatzpunkte für die gängigsten Hersteller helfen dir aber schon mal weiter.

Samsung Smart TVs

Bei Samsung-Fernsehern versteckt sich die Funktion unter verschiedenen Bezeichnungen. Navigiere zu Einstellungen > Datenschutz > Viewing Information Services und deaktiviere diese Option. Zusätzlich solltest du unter Einstellungen > Support > Nutzungsbedingungen die Option „Interessenbasierte Werbung“ ausschalten. Achte auch auf Menüpunkte mit der Bezeichnung „SyncPlus“ – eine weitere Samsung-Bezeichnung für ACR-Funktionen. Der Konzern versteckt die Tracking-Mechanismen gerne unter mehreren Ebenen, deshalb lohnt sich ein gründlicher Blick ins Datenschutzmenü.

LG Smart TVs

LG bezeichnet seine Datensammlung als „Live Plus“ oder „Channel Plus“. Gehe zu Einstellungen > Alle Einstellungen > Allgemein > Live Plus und schalte die Funktion aus. Zusätzlich findest du unter Einstellungen > Allgemein > Datenschutz > Werbung > Benutzerdefinierte Werbung weitere Tracking-Optionen, die du deaktivieren solltest. Da LG-Geräte zu den Herstellern gehören, die besonders viele verschiedene Einstellungen nutzen, solltest du das Datenschutzmenü gründlich durchforsten.

Sony und Android TVs

Sony-Fernseher implementieren ACR unter der Bezeichnung „Samba Interactive TV“. Bei Sony-Geräten mit Android TV findest du relevante Optionen unter Einstellungen > Datenschutz > Nutzungsdaten. Deaktiviere hier sowohl „Nutzungsdaten senden“ als auch „Personalisierte Inhalte“. Android TV sammelt standardmäßig umfangreiche Daten – durchforste das Datenschutzmenü gründlich und achte dabei besonders auf alle Optionen, die mit Datenübertragung zu tun haben.

Vizio Smart TVs

Vizio war einer der ersten Hersteller, die wegen ACR in die Kritik gerieten und von Aufsichtsbehörden zur Verantwortung gezogen wurden. Die Funktion heißt hier „Smart Interactivity“ und findet sich unter System > Reset & Admin > Smart Interactivity. Schalte sie auf jeden Fall aus, denn Vizio gehörte zu den aggressivsten Datensammlern unter den TV-Herstellern.

Weitere Maßnahmen für mehr Datenschutz

ACR zu deaktivieren ist ein wichtiger Schritt, aber nicht die einzige Möglichkeit, deine Privatsphäre zu schützen. Smart TVs sammeln Daten über verschiedene Kanäle, und ein umfassender Schutz erfordert mehrere Maßnahmen. Fast alle Hersteller bieten separate Einstellungen für personalisierte Werbung. Diese Option ist oft getrennt von ACR und muss zusätzlich deaktiviert werden. Suche in den Datenschutzeinstellungen nach Begriffen wie „Interest-based Advertising“, „Personalisierte Werbung“ oder „Ad Tracking“.

Eine radikale, aber effektive Methode: Verbinde deinen Smart TV gar nicht erst mit dem Internet. Nutze stattdessen einen externen Streaming-Stick oder eine Set-Top-Box wie Apple TV oder Nvidia Shield. Diese Geräte bieten meist bessere Datenschutzoptionen und mehr Kontrolle über deine Daten. Außerdem lassen sie sich einfacher aktualisieren als die Software älterer Fernseher. Für technisch versiertere Nutzer bietet sich eine weitere Option an: Ändere die DNS-Einstellungen deines Smart TVs oder richte einen DNS-Filter in deinem Router ein. Dienste wie Pi-hole können Tracking-Server blockieren und verhindern, dass dein Fernseher „nach Hause telefoniert“. Das erfordert etwas Einrichtungsaufwand, bietet aber umfassenden Schutz.

Was passiert nach der Deaktivierung?

Die meisten Funktionen deines Smart TVs arbeiten auch ohne ACR problemlos weiter. Du kannst weiterhin alle Apps nutzen, streamen und fernsehen wie gewohnt. Allerdings können einige Komfort-Features beeinträchtigt werden: Programmempfehlungen werden weniger präzise, und manche Hersteller blenden Warnmeldungen ein, dass bestimmte „Premium-Funktionen“ nicht verfügbar sind.

Diese Meldungen sind größtenteils Einschüchterungsversuche. Die wirklich wichtigen Funktionen bleiben erhalten. Ein wichtiger Hinweis: Einige Hersteller setzen nach Software-Updates die Datenschutzeinstellungen zurück. Es lohnt sich also, nach jedem größeren Update zu kontrollieren, ob ACR und andere Tracking-Funktionen noch deaktiviert sind. Die Klickerei durch die Menüs beginnt dann möglicherweise von vorne – nervig, aber notwendig für deine digitale Privatsphäre.

Warum Datenschutz beim Fernsehen wichtig ist

Viele Menschen unterschätzen den Wert ihrer Sehgewohnheiten. Dabei verraten diese Daten unglaublich viel über uns: politische Einstellungen, Gesundheitszustand, finanzielle Situation, sexuelle Orientierung und vieles mehr. Ein Datenprofil aus deinem TV-Verhalten ist aussagekräftiger als viele andere digitale Fußabdrücke. Die Informationen werden nicht nur für Werbung genutzt, sondern können in Datenlecks landen oder an Dritte verkauft werden.

Berichte des Center for Digital Democracy an die US-amerikanische Federal Trade Commission dokumentieren, wie umfassend die Datensammlung durch Smart TVs und Streaming-Anbieter mittlerweile ist. Die Technologie erfasst nicht nur, was du siehst, sondern erstellt daraus detaillierte Profile über dich als Person. Ein bewusster Umgang mit diesen Technologien ist daher keine Paranoia, sondern digitale Selbstverteidigung.

Die Kontrolle über deine Daten liegt letztlich bei dir. Smart TVs bieten tolle Funktionen, aber du musst nicht jeden Preis dafür zahlen. Mit wenigen Handgriffen in den Einstellungen kannst du die Datensammlung deutlich eindämmen und trotzdem alle Vorzüge deines Fernsehers genießen. Investiere zehn Minuten in deine Privatsphäre – es lohnt sich definitiv. Deine persönlichen Sehgewohnheiten gehören dir, nicht den Herstellern und schon gar nicht irgendwelchen Datenhändlern, die daraus Profit schlagen wollen.

Wusstest du dass dein Smart TV dich beobachtet?
Ja und ich habe ACR deaktiviert
Ja aber es ist mir egal
Nein das schockiert mich
Mein TV hat kein Internet
Was ist ACR

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