Wer kennt es nicht: Man schaut abends auf sein Smartphone und stellt fest, dass das Datenvolumen fast aufgebraucht ist – und das obwohl man eigentlich nur ein paar Folgen der Lieblingsserie für unterwegs heruntergeladen hat. Was viele Prime Video Nutzer nicht wissen: Die App von Amazon kann im Hintergrund ordentlich an eurem mobilen Datenvolumen knabbern, wenn die Einstellungen nicht richtig konfiguriert sind. Dieser vermeintlich harmlose Fehler kann am Monatsende nicht nur für Frust sorgen, sondern auch richtig ins Geld gehen.
Der versteckte Datenfresser in eurer Tasche
Amazon Prime Video bietet die praktische Möglichkeit, Filme und Serien direkt auf das Smartphone oder Tablet zu laden. Das ist super für lange Bahnfahrten oder Wartezeiten. Doch die Standardeinstellungen der Streaming-App sind nicht immer optimal für Menschen mit begrenztem Datenvolumen. Eine einzelne Serienepisode in guter Qualität kann schnell 500 MB bis 1 GB verschlingen – bei High-Definition-Inhalten sogar deutlich mehr. Wer hier nicht aufpasst, schießt sein Datenvolumen innerhalb weniger Tage ab.
Das Tückische dabei: Viele Nutzer gehen davon aus, dass Downloads automatisch nur über WLAN erfolgen. Diese Annahme ist bei Prime Video aber nicht grundsätzlich richtig. Je nachdem, wann ihr die App installiert und wie ihr den Einrichtungsprozess durchlaufen habt, können die Download-Einstellungen unterschiedlich vorkonfiguriert sein. Genau hier liegt das Problem, das monatlich tausende Smartphone-Besitzer teuer zu stehen kommt.
Warum passiert dieser Fehler so häufig?
Die Menüführung moderner Apps wird zunehmend schlanker und versteckt fortgeschrittene Einstellungen oft in Untermenüs. Bei Prime Video sind die Download-Optionen zwar zugänglich, aber nicht direkt auf den ersten Blick sichtbar. Hinzu kommt, dass viele von uns Apps installieren und sofort nutzen wollen – wer liest schon alle Einstellungen durch, bevor er die erste Folge lädt?
Ein weiteres Problem: Die automatische Videowiedergabe von Trailern beim Durchstöbern der Bibliothek. Während ihr durch das Angebot scrollt und überlegt, was ihr als nächstes schauen wollt, spielen sich im Hintergrund ständig Vorschauvideos ab. Diese ständige Videowiedergabe summiert sich schnell und belastet die Datenverbindung erheblich – und das meist völlig unbemerkt. Gerade bei mobilen Tarifen mit begrenztem Volumen wird das schnell zum Problem.
So überprüft ihr eure aktuellen Einstellungen
Der erste Schritt zur Schadensbegrenzung ist eine Bestandsaufnahme. Öffnet die Prime Video App auf eurem Smartphone und tippt unten rechts auf Mein Bereich. Dort findet ihr das Zahnrad-Symbol für die Einstellungen. Unter dem Punkt Streaming und Download verbergen sich die entscheidenden Optionen, die über euren Datenverbrauch entscheiden.
Achtet besonders auf folgende Einstellungen:
- Download-Netzwerk: Hier sollte unbedingt „Nur WLAN“ ausgewählt sein, um mobile Daten komplett zu vermeiden
- Download-Qualität: „Gut“ oder „Besser“ reichen für die meisten Fälle völlig aus – „Beste“ solltet ihr nur bewusst wählen
- Streaming-Qualität bei mobilen Daten: Auch wenn ihr nicht downloadet, sondern streamt, kann hier „Daten sparen“ sinnvoll sein
- Automatische Videowiedergabe: Diese Funktion für Trailer solltet ihr deaktivieren, um unnötigen Datenverbrauch beim Stöbern zu vermeiden
Die versteckten Kostenfallen kennen
Manche Mobilfunkverträge bieten zwar scheinbar großzügige Datenvolumen, drosseln aber nach Erreichen einer bestimmten Grenze die Geschwindigkeit auf kaum nutzbare Werte. Andere Tarife berechnen jeden zusätzlichen Gigabyte mit happigen Aufschlägen. In der EU seid ihr durch die Roaming-Verordnung zwar grundsätzlich geschützt, aber auch hier gibt es Limits. Wer im Urlaub außerhalb der EU unbedacht Downloads startet, kann eine böse Überraschung erleben.
Besonders ärgerlich wird es, wenn Kinder Zugriff auf euer Gerät haben. Ein Fingertipp genügt, und schon lädt der Nachwuchs die komplette Staffel seiner Lieblingssendung – natürlich in höchster Qualität und über mobile Daten. Deshalb lohnt es sich, die Einstellungen nicht nur einmal zu setzen, sondern regelmäßig zu kontrollieren.
Die tatsächlichen Datenmengen im Überblick
Um ein besseres Gefühl für den Verbrauch zu bekommen, hier konkrete Zahlen: Bei der Qualitätsstufe „Gut“ verbraucht Prime Video etwa 0,6 GB pro Stunde. Das entspricht bei einer typischen 45-minütigen Serienepisode rund 450 MB. Die Stufe „Besser“ liegt bei etwa 1,8 GB pro Stunde, während „Beste“ mit satten 5,8 GB pro Stunde zu Buche schlägt. Bei HD-Qualität wurden in Praxismessungen etwa 900 MB pro Stunde dokumentiert.

Diese Zahlen zeigen deutlich: Schon wenige Episoden in hoher Qualität können ein durchschnittliches monatliches Datenvolumen von 5 oder 10 GB komplett auffressen. Wer also nicht bewusst auf WLAN-Downloads achtet, riskiert schnell eine Drosselung oder Zusatzkosten. Bei einem typischen Netflix- oder Amazon-Binge von drei Stunden wären das bereits bis zu 17 GB in höchster Qualität – mehr als viele Verträge überhaupt im Monat bieten.
Intelligente Download-Strategien für unterwegs
Wenn ihr viel reist, könnt ihr mit etwas Planung euer Datenvolumen schonen und trotzdem Entertainment genießen. Ladet Inhalte bewusst zu Hause oder im Büro über WLAN herunter, bevor ihr losfahrt. So habt ihr eure Lieblingsserien und Filme immer griffbereit, ohne unterwegs auf mobile Daten zurückgreifen zu müssen.
Ein cleverer Trick: Nutzt öffentliche WLAN-Hotspots an Bahnhöfen, Flughäfen oder in Hotels für größere Downloads. Achtet dabei aber auf sichere Verbindungen und vermeidet sensible Aktivitäten wie Online-Banking über öffentliche Netze. Für Video-Downloads von Amazon Prime Video sind sie aber grundsätzlich unbedenklich. Viele ICE-Züge der Deutschen Bahn bieten mittlerweile kostenloses WLAN – perfekt für die Vorbereitung der Unterhaltung während der Fahrt.
Automatische Download-Funktion richtig nutzen
Prime Video bietet eine praktische Funktion, die automatisch die nächste Episode einer Serie lädt, sobald ihr die vorherige zu Ende geschaut habt. Das ist komfortabel, kann aber zur Falle werden. Diese Funktion solltet ihr nur aktivieren, wenn ihr sicher seid, dass ausschließlich über WLAN geladen wird. Gerade bei Serien mit vielen Episoden kann sich der automatische Download sonst zu einem echten Datenfresser entwickeln.
In den erweiterten Einstellungen könnt ihr außerdem festlegen, ob heruntergeladene Videos automatisch gelöscht werden sollen, nachdem ihr sie angeschaut habt. Das spart nicht nur Speicherplatz auf eurem Gerät, sondern verhindert auch, dass sich unnötige Downloads anhäufen.
Systemeinstellungen als zusätzliche Sicherheitsebene
Neben den App-eigenen Einstellungen bieten sowohl iOS als auch Android Möglichkeiten, den Datenverbrauch einzelner Apps zu begrenzen. Bei Android findet ihr unter Einstellungen, Netzwerk und Internet sowie Datennutzung eine Übersicht aller Apps. Hier könnt ihr Prime Video den Zugriff auf mobile Daten komplett verbieten oder Warnungen bei hohem Verbrauch einrichten.
iPhone-Nutzer finden ähnliche Optionen unter Einstellungen und Mobiles Netz. Scrollt dort nach unten bis zur App-Liste und deaktiviert den Schalter bei Prime Video. So kann die App ausschließlich über WLAN kommunizieren – eine narrensichere Lösung, allerdings auch mit dem Nachteil, dass dann auch Streaming über mobile Daten nicht mehr möglich ist. Wer aber hauptsächlich Downloads nutzt, für den ist das der sicherste Weg.
Regelmäßige Checks beugen vor
App-Updates können manchmal Einstellungen zurücksetzen oder neue Optionen einführen, die standardmäßig aktiviert sind. Macht es euch zur Gewohnheit, nach größeren Updates einmal durch die Einstellungen zu scrollen. Ein monatlicher Check genügt in der Regel, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Nutzt außerdem die Datenverbrauchsanzeige eures Betriebssystems, um Ausreißer schnell zu erkennen. Wenn Prime Video plötzlich deutlich mehr Daten verbraucht als gewöhnlich, solltet ihr nachforschen. Vielleicht hat sich eine Einstellung geändert oder ein Update brachte neue Funktionen mit, die ihr noch nicht kennt.
Der bewusste Umgang mit Download-Einstellungen bei Amazon Prime Video spart nicht nur Geld, sondern auch Nerven. Mit den richtigen Konfigurationen könnt ihr die Streaming-Plattform uneingeschränkt genießen, ohne ständig euer Datenvolumen im Blick haben zu müssen. Die paar Minuten, die ihr in die korrekte Einrichtung investiert, zahlen sich garantiert aus – spätestens wenn ihr am Monatsende entspannt feststellt, dass noch genug Datenvolumen für alles andere übrig ist.
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