Wer sich eine Xbox Series X oder Series S mit der Familie oder Mitbewohnern teilt, kennt vermutlich das Problem: Plötzlich tauchen Erfolge im eigenen Profil auf, die man nie erspielt hat, Spielstände sind hoffnungslos durcheinander und die personalisierten Empfehlungen im Xbox Store haben nichts mehr mit den eigenen Vorlieben zu tun. Der Grund dafür ist fast immer derselbe – mehrere Personen nutzen denselben Account, anstatt jedem Spieler ein eigenes Profil einzurichten. Dieser scheinbar harmlose Fehler kann auf Dauer richtig frustrierend werden und sorgt dafür, dass das Xbox-Erlebnis für alle Beteiligten leidet.
Warum ein gemeinsamer Account problematisch ist
Microsoft hat das Xbox-Ökosystem bewusst so konzipiert, dass jeder Spieler sein individuelles Profil besitzt. Das ist kein Zufall, sondern ein durchdachtes System, das zahlreiche Vorteile mit sich bringt. Wenn mehrere Personen denselben Account verwenden, hebeln sie dieses System aus und schaffen sich selbst unnötige Probleme.
Das offensichtlichste Problem sind die durcheinandergeratenen Spielstände. Man ist mitten in einer spannenden Kampagne, hat Stunden investiert und sich mühsam hochgespielt – und plötzlich hat jemand anders die Saves überschrieben oder völlig andere Entscheidungen getroffen. Bei Spielen mit mehreren Speicherständen mag das noch verkraftbar sein, doch viele Titel arbeiten mit automatischen Speicherfunktionen, die eine klare Trennung der Spielfortschritte erschweren.
Noch ärgerlicher wird es bei den Achievements. Diese Erfolge sind für viele Spieler ein wichtiger Bestandteil des Gaming-Erlebnisses. Sie dokumentieren persönliche Meilensteine und erfordern oft echte Hingabe. Wenn nun jemand anders an der Konsole spielt und dabei Erfolge freischaltet, landen diese im gemeinsamen Profil – ohne dass alle Beteiligten die entsprechenden Herausforderungen gemeistert haben. Das verfälscht die persönliche Erfolgshistorie und kann auch beim Vergleich mit Freunden peinlich werden.
Personalisierte Empfehlungen werden unbrauchbar
Microsoft investiert erhebliche Ressourcen in Algorithmen, die Spielvorlieben analysieren und passende Empfehlungen aussprechen. Der Xbox Game Pass nutzt diese Daten, um Titel vorzuschlagen, die wirklich zum Geschmack passen. Wenn jedoch drei oder vier Personen mit völlig unterschiedlichen Präferenzen denselben Account nutzen, wird dieser Algorithmus komplett durcheinander gebracht.
Das Resultat sind Empfehlungen, die niemandem wirklich gefallen. Der eine spielt ausschließlich Shooter, der andere bevorzugt Rollenspiele und wieder ein anderer steht auf Sportspiele – der Algorithmus versucht verzweifelt, aus diesem Datenchaos sinnvolle Vorschläge zu generieren, und scheitert dabei zwangsläufig. Dadurch verpasst man möglicherweise großartige Spiele, die perfekt passen würden, bekommt sie aber nie vorgeschlagen.
Die richtige Lösung: Mehrere Profile einrichten
Die gute Nachricht ist, dass Microsoft genau für diese Situation eine elegante Lösung entwickelt hat. Auf einer Xbox Series X oder Series S können problemlos mehrere Profile angelegt werden, und das System funktioniert erstaunlich gut. Jeder Spieler erhält sein eigenes Microsoft-Konto mit individuellen Spielständen, Achievements, Freundeslisten und Einstellungen.
Das Einrichten zusätzlicher Profile ist denkbar einfach und über die Controller-Navigation schnell erledigt. Für Kinder gibt es spezielle Kinderkonten mit anpassbaren Jugendschutzeinstellungen, die von einem Elternkonto verwaltet werden können. Der Prozess dauert kaum fünf Minuten und erspart später unzählige Stunden Frust.
Das Heimkonsolen-Feature clever nutzen
Hier kommt ein Feature ins Spiel, das viele Nutzer nicht vollständig verstehen: die Heimkonsole. Wenn eine Xbox als Heimkonsole festgelegt wird, können alle anderen Profile auf dieser Konsole auf die digital gekauften Spiele und Xbox Game Pass-Abonnements des Hauptaccounts zugreifen. Das bedeutet, nur eine Person muss für Game Pass bezahlen, aber alle Familienmitglieder profitieren davon – vorausgesetzt, sie haben eigene Profile.
Diese Regelung gilt auch für gekaufte Spiele. Kauft einer der Nutzer ein digitales Spiel, können es alle anderen Profile auf der Heimkonsole ebenfalls spielen. Das ist ein enormer Vorteil und macht die Mehrprofil-Lösung nicht nur praktischer, sondern auch wirtschaftlicher. Wichtig dabei: Pro Konsole kann immer nur ein Account als Heimkonsole eingestellt werden, was aber für die meisten Haushalte völlig ausreicht.

Praktische Vorteile separater Profile
Neben der Vermeidung der bereits genannten Probleme bringen separate Profile weitere Vorteile mit sich. Jeder Nutzer kann seine Controller-Einstellungen individuell anpassen. Empfindlichkeit, Button-Belegung, Vibration – all das wird pro Profil gespeichert. Wer schon mal versucht hat, mit komplett anderen Controller-Einstellungen zu spielen, weiß, wie frustrierend das sein kann. Besonders bei kompetitiven Shootern oder Rennspielen macht die persönliche Konfiguration den entscheidenden Unterschied.
Auch die Barrierefreiheits-Optionen werden pro Profil gespeichert. Microsoft hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte bei der Zugänglichkeit gemacht. Wenn ein Nutzer beispielsweise auf Untertitel oder spezielle Farbanpassungen angewiesen ist, bleiben diese Einstellungen in seinem Profil erhalten, ohne andere zu beeinflussen. Das ermöglicht echte Inklusion beim gemeinsamen Spielen.
Ein weiterer Punkt sind die Datenschutz-Einstellungen. Jedes Profil kann individuell festlegen, wer Aktivitäten sehen darf, wer Freundschaftsanfragen senden kann und welche Daten geteilt werden. Bei einem gemeinsam genutzten Account ist diese Kontrolle praktisch nicht vorhanden. Gerade für Jugendliche ist diese Privatsphäre wichtig.
Auch für Gäste gibt es Lösungen
Wenn gelegentlich Freunde vorbeikommen und mitspielen möchten, muss nicht jedes Mal ein vollwertiges Konto erstellt werden. Die Xbox bietet die Möglichkeit, Gastprofile anzulegen. Diese temporären Profile ermöglichen es Besuchern, zu spielen, ohne das System mit weiteren vollwertigen Accounts zu überfrachten. Allerdings werden bei Gastprofilen keine Fortschritte oder Achievements dauerhaft gespeichert, was bei einem kurzen Besuch aber meist kein Problem darstellt.
Migration von einem gemeinsamen zu mehreren Accounts
Falls bereits längere Zeit ein gemeinsamer Account genutzt wurde, stellt sich die Frage, wie der Übergang zu individuellen Profilen gelingen kann. Leider lässt sich ein bestehendes Profil nicht nachträglich aufteilen. Spielstände und Achievements bleiben beim ursprünglichen Account. Das mag zunächst frustrierend klingen, aber langfristig lohnt sich der Neuanfang definitiv.
Am besten plant man den Wechsel zu einem Zeitpunkt, an dem keine intensiven Kampagnen laufen. Bei vielen Online-Spielen können Fortschritte oft über separate Konten der Spielehersteller synchronisiert werden, was den Übergang erleichtert. Wer beispielsweise bei Fortnite, Apex Legends oder Call of Duty einen Account beim jeweiligen Publisher hat, kann diesen mit dem neuen Xbox-Profil verknüpfen und verliert keine Fortschritte.
Cloud-Speicherung als zusätzliche Sicherheit
Mit individuellen Profilen profitiert man automatisch von Microsofts Cloud-Speicher für Spielstände. Die Saves werden automatisch in der Cloud gesichert und können auf anderen Xbox-Konsolen abgerufen werden. Das ist nicht nur praktisch, wenn man beispielsweise zwischen Series X und Series S wechselt, sondern schützt auch vor Datenverlust bei Hardware-Problemen. Eine kaputte Festplatte bedeutet dann nicht das Ende monatelanger Spielfortschritte.
Diese Funktion arbeitet nahtlos im Hintergrund und erfordert keine manuelle Konfiguration. Sobald die Konsole mit dem Internet verbunden ist, synchronisiert sie automatisch die Spielstände. Bei einem gemeinsam genutzten Account gehen diese persönlichen Vorteile verloren, da niemand wirklich seine eigenen Spielstände hat. Die Zuordnung wird unklar und im schlimmsten Fall gehen wichtige Fortschritte verloren, weil niemand genau weiß, welcher Speicherstand zu wem gehört.
Die Einrichtung separater Profile mag auf den ersten Blick nach zusätzlichem Aufwand aussehen, spart aber langfristig enorm viel Ärger. Jeder Spieler behält die volle Kontrolle über sein Gaming-Erlebnis, Achievements haben wieder echte Bedeutung und die Konsole kann ihre intelligenten Features optimal nutzen. Der einmalige Zeitaufwand von wenigen Minuten pro Profil macht sich schnell bezahlt – und verwandelt die gemeinsam genutzte Konsole von einer Quelle der Frustration in das, was sie sein sollte: eine Plattform für individuelles und gleichzeitig gemeinsames Gaming-Vergnügen.
Inhaltsverzeichnis
