Wer von einem Intel-Mac auf einen der neuen Apple Silicon Macs mit M1, M2 oder M3 Chip umgestiegen ist, erlebt meist eine beeindruckende Performance-Steigerung. Doch manche Anwender stehen vor einem Problem: Ältere Programme, die noch für Intel-Prozessoren entwickelt wurden, laufen entweder gar nicht oder verhalten sich merkwürdig. Genau hier kommt Rosetta 2 ins Spiel – eine Übersetzungstechnologie von Apple, die Intel-basierte Apps nahtlos auf der neuen ARM-Architektur ausführbar macht.
Was genau ist Rosetta 2 und warum brauche ich es?
Rosetta 2 ist Apples clevere Lösung für ein klassisches Übergangs-Dilemma. Als das Unternehmen 2020 den Wechsel von Intel- zu eigenen ARM-basierten Prozessoren vollzog, standen Millionen von Anwendungen vor dem Aus. Entwickler brauchten Zeit, ihre Software für die neue Architektur anzupassen. Rosetta 2 fungiert dabei als Dolmetscher: Es übersetzt Intel-Code bereits bei der Installation der Anwendung in eine Sprache, die Apple Silicon versteht.
Das Faszinierende dabei: Diese automatische Vorübersetzung geschieht so effizient, dass viele Intel-Apps auf M-Chips sogar schneller laufen als auf älteren Intel-Macs. Trotzdem ist die native Performance natürlich unschlagbar – Rosetta 2 sollte als Brückentechnologie verstanden werden, bis alle wichtigen Programme nativ für Apple Silicon kompiliert sind.
Wann wird Rosetta 2 installiert?
Rosetta 2 ist nicht standardmäßig in macOS vorinstalliert und muss als zusätzliche Komponente installiert werden. Wenn ihr zum ersten Mal eine Intel-App startet, erscheint ein Dialog mit der Frage, ob ihr die Installation durchführen wollt. Das klingt praktisch, führt aber manchmal zu Verwirrung: Manche Apps stürzen ab oder zeigen kryptische Fehlermeldungen, bevor dieser Dialog überhaupt erscheint. Andere Programme funktionieren teilweise, aber nicht vollständig – ein Zustand, der frustrierend sein kann.
Besonders ärgerlich wird es bei professionellen Workflows mit Plugins, Erweiterungen oder spezialisierter Software. Audio-Plugins für Musikproduktion, Photoshop-Erweiterungen oder wissenschaftliche Programme zeigen oft unvorhersehbares Verhalten, wenn Rosetta 2 fehlt oder unvollständig installiert ist.
Die manuelle Installation über das Terminal
Statt auf den automatischen Dialog zu warten, könnt ihr Rosetta 2 proaktiv installieren. Das verschafft euch Kontrolle und verhindert böse Überraschungen beim Start wichtiger Anwendungen. Die Installation erfolgt über das Terminal – keine Sorge, das ist einfacher als es klingt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Öffnet zunächst die Terminal-App. Ihr findet sie im Programme-Ordner unter Dienstprogramme, oder noch schneller über die Spotlight-Suche mit Cmd + Leertaste und der Eingabe „Terminal“.
Gebt nun folgenden Befehl ein – achtet auf die exakte Schreibweise:
softwareupdate –install-rosetta
Nach dem Drücken der Enter-Taste werdet ihr aufgefordert, die Lizenzbedingungen zu akzeptieren. Tippt A ein und bestätigt mit Enter. Der Download und die Installation beginnen automatisch. Je nach Internetgeschwindigkeit dauert dieser Vorgang zwischen einer und fünf Minuten.
Alternative mit automatischer Lizenzbestätigung
Für alle, die den Prozess noch weiter beschleunigen wollen, gibt es eine Variante mit automatischer Lizenzbestätigung:
softwareupdate –install-rosetta –agree-to-license
Diese Version überspringt die manuelle Bestätigung und installiert Rosetta 2 direkt. Das ist besonders praktisch bei der Einrichtung mehrerer Macs oder in Unternehmensumgebungen.
Welche Apps profitieren konkret von Rosetta 2?
Die Liste ist lang, denn trotz der fortschreitenden Entwicklung laufen erstaunlich viele Programme noch auf Intel-Basis. Ältere Versionen von Photoshop, Illustrator oder Premiere Pro benötigen Rosetta 2, auch wenn neuere Versionen bereits nativ laufen. Microsoft Office-Varianten vor 2021 sind reine Intel-Anwendungen. In der Musikproduktion brauchen viele VST-Plugins und ältere DAW-Versionen wie Logic Pro X die Übersetzungsschicht. Wissenschaftliche Software wie MATLAB oder Stata war lange nur als Intel-Version verfügbar, und Steam-Spiele ohne nativen ARM-Support laufen ausschließlich über Rosetta 2.

Performance-Unterschiede in der Praxis
Die Leistung von Intel-Apps unter Rosetta 2 variiert erheblich. Simple Programme wie Texteditoren oder einfache Utilities laufen nahezu ohne merkbaren Unterschied. Bei rechenintensiven Anwendungen sieht es differenzierter aus: In generischen Tests zeigt sich, dass Rosetta 2 etwa 20 bis 25 Prozent der Performance kostet. Bei grafiklastigen Anwendungen, die stark auf das Metal-Framework setzen, kann die Verlangsamung allerdings deutlich stärker ausfallen – in Extremfällen halbiert sich die Gesamtperformance sogar.
Interessant wird es bei der Energieeffizienz. Intel-Apps über Rosetta 2 verbrauchen mehr Strom als native Pendants, was sich bei Laptop-Nutzern in kürzeren Akkulaufzeiten bemerkbar macht. Der Unterschied beträgt je nach App zwischen 10 und 40 Prozent – ein Argument mehr, auf native Versionen eurer wichtigsten Programme zu achten.
So erkennt ihr, ob eine App Rosetta 2 nutzt
Öffnet den Aktivitätsanzeige-Monitor und schaut in die Spalte „Art“. Dort steht entweder „Apple“ für native ARM-Apps oder „Intel“ für Anwendungen, die über Rosetta 2 laufen. Falls diese Spalte nicht sichtbar ist, macht einen Rechtsklick auf die Spaltenüberschriften und aktiviert „Art“.
Alternativ funktioniert auch ein Rechtsklick auf die App im Finder, dann „Informationen“ auswählen. Im Info-Fenster seht ihr unter „Allgemein“, ob die App als „Universal“ (läuft nativ auf beiden Architekturen), „Apple Silicon“ oder „Intel“ gekennzeichnet ist.
Troubleshooting: Wenn Apps trotz Rosetta 2 Probleme machen
Manchmal verhält sich eine Intel-App trotz installiertem Rosetta 2 merkwürdig. In solchen Fällen hilft oft ein kompletter Neustart des Macs – klingt banal, löst aber Initialisierungsprobleme. Prüft außerdem, ob die App-Version mit Apple Silicon kompatibel ist, denn manche sehr alte Software funktioniert selbst mit Rosetta 2 nicht mehr zuverlässig.
Entwickler und Hersteller bieten häufig Updates oder Patches an, die die Kompatibilität verbessern. Ein Blick auf die Website des Software-Anbieters kann Aufschluss darüber geben, ob bereits eine native Apple Silicon Version verfügbar ist oder ob bekannte Probleme mit Rosetta 2 existieren.
Der Blick in die Zukunft
Apple wird Rosetta 2 nicht ewig unterstützen. Bereits für macOS 28 hat das Unternehmen angekündigt, dass Rosetta 2 nur noch eingeschränkt nutzbar sein wird. Das Ziel ist klar: Entwickler sollen die verbleibenden Intel-Fragmente aus ihren Projekten entfernen und vollständig auf ARM-native Software umsteigen. Die Übergangsphase neigt sich also dem Ende zu, schneller als viele erwartet hatten.
Wer heute einen M1, M2 oder M3 Mac kauft oder bereits besitzt, sollte Rosetta 2 vorsorglich installieren. Die wenigen Minuten Aufwand ersparen potentiell frustrierende Momente, wenn eine wichtige App plötzlich nicht startet. Gleichzeitig lohnt es sich, regelmäßig zu prüfen, ob eure wichtigsten Programme bereits als native Apple Silicon-Versionen verfügbar sind – die Performance-Gewinne und längeren Akkulaufzeiten machen den Wechsel definitiv lohnenswert.
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