Das Wasser, das jeden Sommer in privaten Gärten versickert, ist ein stiller Indikator dafür, wie eng unser Komfort mit Ressourcenverschwendung verknüpft ist. Besonders im Garten zeigt sich die Diskrepanz zwischen Notwendigkeit und Gewohnheit: Pflanzen brauchen Wasser, aber nicht jede Gießkanne, die gefüllt wird, trägt wirklich zum Wachstum bei. Die Art, wie wir gießen, entscheidet darüber, ob Wasser verdunstet oder Wurzeln erreicht.
Viele sehen in der Gießkanne ein einfaches Werkzeug, doch sie ist ein Kontrollpunkt des häuslichen Wasserverbrauchs. Zwischen Druck, Dosierung und Temperatur gleicht die korrekte Verwendung einer mikrobiologischen Feinabstimmung – wer das Prinzip versteht, verbraucht weniger, erzielt trotzdem üppige Ergebnisse und schont seinen Geldbeutel. Die Balance zwischen ausreichender Bewässerung und Verschwendung ist dabei weitaus subtiler, als es den Anschein hat.
Die meisten Gärtner entwickeln über Jahre hinweg Routinen, die auf Erfahrung basieren – doch nicht jede Erfahrung ist wissenschaftlich fundiert. Manche Gewohnheiten, die sich über Generationen verfestigt haben, beruhen auf Annahmen, die der tatsächlichen Funktionsweise von Boden, Pflanze und Wasserkreislauf widersprechen. Das bedeutet nicht, dass traditionelles Gärtnerwissen wertlos ist, sondern dass es ergänzt werden kann durch ein tieferes Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen.
Warum die Gießkanne mehr über Wasserverbrauch verrät, als man denkt
In vielen Gärten wird Wasser nach Gefühl verteilt: ein Schuss hier, ein Überschuss dort. Hydrologisch betrachtet ist das ineffizient. Der Boden kann nur eine bestimmte Menge Feuchtigkeit aufnehmen, bevor sie im Untergrund verschwindet oder verdunstet. Je nach Bodentyp – sandig, lehmig oder humos – liegt die maximale Aufnahme zwischen 10 und 30 Litern pro Quadratmeter. Diese Zahlen variieren jedoch stark je nach Struktur, Verdichtungsgrad und organischem Material im Boden.
Die Gießkanne ist also nicht bloß ein Behälter, sondern das feinste Dosierungsinstrument im Garten. Doch häufig wird sie zu schnell entleert, ohne Rücksicht auf Bodendurchlässigkeit oder Tageszeit. Beobachtungen aus der Gartenpraxis zeigen, dass ein erheblicher Teil des Gießwassers in Hausgärten durch Verdunstung und falsches Timing verloren geht. Die genauen Prozentsätze variieren je nach klimatischen Bedingungen, Bodenbeschaffenheit und Bewässerungsmethode, doch das Phänomen selbst ist unbestritten.
Die erste Regel lautet: Wasser immer mit dem Boden, nicht mit der Pflanze, in Kontakt bringen. Feuchtigkeit soll an die Wurzeln, nicht an die Blätter gelangen. Feuchte Blätter erhöhen zudem das Risiko von Pilzbefall. Diese Erkenntnis wird durch praktische Gartenerfahrungen bestätigt: Gezieltes Gießen direkt an der Wurzelzone minimiert nicht nur Wasserverlust, sondern fördert auch die Pflanzengesundheit.
Was oft übersehen wird, ist die Tatsache, dass Wasser nicht gleichmäßig im Boden verteilt wird, wenn es zu schnell ausgegossen wird. Bei hoher Durchflussgeschwindigkeit bilden sich Kanäle im Erdreich, durch die das Wasser hindurchfließt, ohne die umliegenden Bodenschichten zu durchdringen. Die Folge: Oberflächlich wirkt der Boden feucht, während die tieferen Wurzelzonen trocken bleiben. Dieser Effekt verstärkt sich bei verdichteten Böden oder nach längeren Trockenperioden.
Wie Wasserverhalten, Material und Form der Gießkanne den Verbrauch beeinflussen
Nicht alle Gießkannen sind gleich effizient. Ihr Design hat größere Auswirkungen auf den Wasserverbrauch, als es scheint. Die Wahl des richtigen Werkzeugs beginnt bereits beim Material und setzt sich fort in der Konstruktion des Ausgusses.
Kunststoffkannen sind leicht und günstig, verlieren aber bei Sonne schnell an Stabilität und fördern durch Erwärmung die Verdunstung aus dem Reservoir. Metallkannen speichern Temperatur länger, sind robuster und dämpfen den Wasserstrom gleichmäßiger – eine wesentliche Eigenschaft für präzises Gießen. Allerdings machen auch Metallkannen bei direkter Sonneneinstrahlung das Wasser wärmer, was bei empfindlichen Pflanzen zu bedenken ist.
Ein langer, schmaler Hals ermöglicht eine präzise Steuerung des Wasserflusses. Modelle mit abnehmbarem Brausekopf bieten Flexibilität: großflächige Bewässerung bei Neupflanzungen, punktgenaue Dosierung bei Topfpflanzen. Wie in der Praxis beobachtet wurde, ermöglicht ein gut konstruierter Ausguss, den Wasserstrahl präzise an den gewünschten Ort zu lenken und somit gezielt zu gießen. Die meist unterschätzte Eigenschaft ist die Lochgröße der Brause. Feinere Öffnungen reduzieren Durchfluss und fördern gleichmäßige Verteilung – entscheidend in Trockenperioden.
Gartenexperten weisen darauf hin, dass eine Gießkanne mit gleichmäßigem Ausguss deutlich effizienter arbeitet als Modelle mit unregelmäßigem Wasserfluss. Der Grund liegt im homogenen Durchtränken der oberen Erde, das ein tieferes Eindringen des Wassers ermöglicht, ohne Übersättigung. Während konkrete Prozentzahlen von verschiedenen Faktoren abhängen, ist die Tendenz klar: Kontrolle über den Wasserfluss bedeutet direkten Einfluss auf die Effizienz.
Die Konstruktion des Griffs wird ebenfalls häufig unterschätzt. Ein ergonomischer Griff ermöglicht es, die volle Kanne langsam und kontrolliert zu entleeren, während ein schlecht platzierter Griff zu hastigem Ausgießen führt – mit entsprechenden Verlusten. Auch das Volumen der Kanne spielt eine Rolle: Zu große Kannen verleiten dazu, mehr Wasser als nötig auf einmal auszubringen, während kleinere Kannen zu häufigeren Gängen, aber präziserer Dosierung führen.
Der Einfluss von Tageszeit und Bodentemperatur auf die Effektivität des Gießens
Wasser ist nicht gleich Wasser – zumindest nicht im Kontext des Gartens. Temperatur und Timing sind entscheidende Variablen, die über Erfolg oder Misserfolg der Bewässerung entscheiden können. Die Tageszeit beeinflusst nicht nur die Verdunstungsrate, sondern auch die Fähigkeit der Pflanze, Wasser aufzunehmen.
Am frühen Morgen ist der Boden kühl, die Verdunstungsrate minimal, und Pflanzen stehen kurz vor ihrer aktivsten Wachstumsphase. Die Gießkanne am Morgen liefert also messbar mehr nutzbare Feuchtigkeit als dieselbe Menge am Nachmittag. Die Luftfeuchtigkeit ist zu dieser Tageszeit höher, was den Wasserstress der Pflanze verringert und die Aufnahme über die Wurzeln begünstigt.
Abends gegossen, kann das Wasser zwar länger im Boden verbleiben, jedoch riskieren Pflanzen bei niedrigen Temperaturen und feuchten Oberflächen Pilzbefall. Die längere Verweildauer der Feuchtigkeit auf Blättern und Stängeln schafft ideale Bedingungen für Pilzsporen. Idealerweise sollte das Gießen in den ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang erfolgen, wenn die Verdunstung noch gering ist, aber genug Zeit bleibt, dass überschüssige Feuchtigkeit auf Pflanzenteilen abtrocknen kann.
Auch die Temperatur des Wassers selbst beeinflusst die Aufnahmefähigkeit. Zu kaltes Wasser – deutlich unter der Bodentemperatur – kann bei vielen Pflanzen zu einem kurzfristigen Wurzelschock führen. Leitungswasser, das im Haus lagert oder in der Gießkanne temperiert, verhindert diesen Effekt und spart Energie, weil Pflanzen ihre Stoffwechselaktivität nicht anpassen müssen. Eine Gießkanne, die über Nacht im Freien steht, erreicht meist eine Temperatur, die näher an der des Bodens liegt und daher besser verträglich ist.
Die Bodentemperatur selbst ist ein weiterer Faktor: Warmer Boden nimmt Wasser schneller auf als kalter, aber er gibt es auch schneller wieder ab. In den heißen Mittagsstunden kann die Oberflächentemperatur des Bodens so hoch werden, dass ein Teil des Gießwassers bereits beim Kontakt mit der Erde verdunstet – ein weiterer Grund, warum morgendliches oder abendliches Gießen empfohlen wird.
Die Wissenschaft der Wurzelhydratation: Wann genug wirklich genug ist
Die Feuchtigkeit im Boden verteilt sich nicht linear. Oberflächliches Gießen führt dazu, dass nur der obere Bereich feucht bleibt – ein typischer Fehler in Gärten mit häufiger Bewässerung. Die Wurzeln wachsen dann flach, weil sie sich nie bemühen müssen, tiefere Wasserschichten zu erreichen. Diese flachen Wurzelsysteme machen Pflanzen anfälliger für Trockenperioden und reduzieren ihre Stabilität bei Wind.
Effizientes Gießen besteht darin, selten, aber gründlich zu wässern. Eine durchdringende Bewässerung stabilisiert den Wurzelbereich über mehrere Tage. Das erfordert Geduld beim Ausgießen, aber reduziert die Häufigkeit der Bewässerung erheblich. Experten empfehlen, das Wasser in mehreren Durchgängen auszubringen: Erst eine moderate Menge, dann eine Pause von einigen Minuten, damit das Wasser einsickern kann, dann eine weitere Gabe.
Die Gießkanne wird so zur Erziehungshilfe der Pflanzen: Je tiefer sie ihre Wurzeln treiben, desto unabhängiger werden sie von täglicher Bewässerung. Eine Reduktion beim wöchentlichen Wasserverbrauch ist realistisch, wenn man diese Methode konsequent umsetzt. Pflanzen mit tiefreichendem Wurzelwerk sind nicht nur wassersparender, sondern auch widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge.
Die Beurteilung, wann eine Pflanze Wasser braucht, erfordert mehr als einen Blick auf die Oberfläche. Ein einfacher Test besteht darin, mit dem Finger einige Zentimeter tief in die Erde zu drücken: Ist sie dort noch feucht, braucht die Pflanze kein Wasser. Ist sie trocken, ist es Zeit für eine gründliche Bewässerung. Dieser Test verhindert das häufigste Problem beim Gießen: Überwässerung aus Vorsicht.
Moderne Hilfsmittel wie Bodenfeuchtigkeitssensoren können ebenfalls unterstützen, Überwässerung zu vermeiden und den Wasserbedarf präzise zu ermitteln. Sie messen die tatsächliche Feuchtigkeit in verschiedenen Bodentiefen und geben objektive Daten, die über das subjektive Gefühl hinausgehen.
Praktische Methoden zur Optimierung des Gießvorgangs
Jenseits der Technik entscheidet die Routine über den Verbrauch. Eine Beobachtung aus der Gartenpraxis zeigt: Wer bewusst gießt, spart automatisch. Die Entwicklung einer durchdachten Bewässerungsstrategie zahlt sich sowohl ökologisch als auch ökonomisch aus.
- Mulchen: Eine mehrere Zentimeter dicke Schicht aus Holzschnitzeln, Stroh oder Laub reduziert die Verdunstung an der Oberfläche erheblich. Wie in der Praxis bestätigt wurde, hält Mulchen die Feuchtigkeit im Boden und schützt vor direkter Sonneneinstrahlung. Zusätzlich unterdrückt Mulch Unkrautwachstum, das sonst mit den Kulturpflanzen um Wasser konkurrieren würde, und verbessert langfristig die Bodenstruktur durch die Zersetzung organischen Materials.
- Gezielte Pflanzgruppen: Pflanzen mit ähnlichem Wasserbedarf nebeneinander setzen, um Über- oder Unterversorgung zu vermeiden. Diese Methode, auch als Zonen-Bewässerung bekannt, ermöglicht es, mit einer Gießkanne mehrere Pflanzen effizient zu versorgen, ohne zwischen verschiedenen Standorten mit unterschiedlichen Bedürfnissen hin- und herwechseln zu müssen.
- Regenwasser nutzen: Eine simple Tonne am Fallrohr spart im Sommer große Mengen Leitungswasser. Wie Experten bestätigen, können Regentonnen und Zisternen effektiv Regenwasser speichern und so Trinkwasser einsparen. Regenwasser ist zudem oft besser für Pflanzen geeignet, da es weicher ist und keine Zusatzstoffe enthält, die in aufbereitetem Leitungswasser vorhanden sein können.
- Wassertemperatur anpassen: Abgestandenes Wasser aus der Gießkanne ist nicht nur umweltfreundlich, sondern fördert auch die Pflanzenvitalität. Wasser, das einige Stunden in der Kanne gestanden hat, hat Chlor abgegeben und sich der Umgebungstemperatur angepasst – beide Faktoren verbessern die Verträglichkeit für Pflanzen.
- Langsam gießen: Wasser in Intervallen ausgießen, damit der Boden zwischen den Schüben aufnehmen kann. Diese Technik verhindert Oberflächenabfluss und Bodenerosion, besonders bei geneigten Beeten oder verdichteten Böden. Das langsame Gießen ermöglicht auch eine bessere Kontrolle über die ausgebrachte Wassermenge.
Ein oft übersehener Punkt: Auch die Position der Gießkanne beim Lagern spielt eine Rolle. Wenn sie mit Restwasser in der Sonne steht, entsteht ein kleines Mikroklima, das Algenwuchs begünstigt – das nächste Mal wird dann unbemerkt organisches Material gegossen, das die Bodenbiologie verändern kann. Regelmäßiges Entleeren und Reinigen der Gießkanne verhindert dieses Problem und hält das Werkzeug hygienisch.

Zusätzlich empfiehlt es sich, die Gießkanne strategisch im Garten zu platzieren. Wer mehrere kleinere Kannen an verschiedenen Stellen stehen hat, spart Laufwege und kann präziser auf den Bedarf einzelner Gartenbereiche eingehen. Dies reduziert auch die Versuchung, eine zu große Kanne zu verwenden und dabei die Kontrolle über die Dosierung zu verlieren.
Wie sich die richtige Bewässerung wirtschaftlich auswirkt
Abgesehen von ökologischen Argumenten wird das Sparen beim Gießen auch finanziell spürbar. Der Wasserpreis in Mitteleuropa variiert je nach Region, liegt aber durchschnittlich bei einigen Euro je Kubikmeter, hinzu kommen Abwassergebühren. Ein mittelgroßer Garten, der im Sommer regelmäßig oberflächlich gegossen wird, kann erhebliche Wassermengen verbrauchen. Mit gezielten Methoden lässt sich dieser Verbrauch deutlich senken.
Neben der Kostenersparnis entsteht ein sekundärer Nutzen: weniger Verbrauch bedeutet geringeren Energieaufwand in der kommunalen Wasseraufbereitung. Auch privat spart man durch den Verzicht auf Schläuche oder Pumpen Strom, da die Gießkanne im Gegensatz zu Bewässerungssystemen passiv funktioniert. Elektrische Pumpen für Bewässerungssysteme verbrauchen kontinuierlich Energie, während die Gießkanne ausschließlich auf Muskelkraft basiert.
Die wirtschaftlichen Vorteile erstrecken sich auch auf den Pflanzenbestand selbst. Richtig bewässerte Pflanzen sind gesünder, widerstandsfähiger und produktiver. Im Nutzgarten bedeutet das höhere Erträge bei Gemüse und Obst, im Ziergarten längere Blühperioden und kräftigeres Wachstum. Diese Faktoren reduzieren die Notwendigkeit, Pflanzen zu ersetzen oder zusätzliche Pflegemaßnahmen durchzuführen.
Langfristig verbessert effizientes Gießen auch die Bodenqualität. Weniger Überwässerung bedeutet weniger Nährstoffauswaschung, was wiederum den Bedarf an Düngern reduziert. Dünger kosten nicht nur Geld, sondern ihre Produktion und Anwendung haben auch ökologische Folgekosten. Ein Garten, der durch intelligente Bewässerung seinen Nährstoffkreislauf stabilisiert, benötigt weniger externe Inputs.
Regenwasser, Bodenbalance und die stille Ökologie des Gartens
Ein gesunder Garten speichert und zirkuliert Wasser selbstständig. Die Gießkanne soll dabei kein Dauerinstrument, sondern ein Korrekturwerkzeug sein. Regenwasser eignet sich hervorragend für die meisten Gartenpflanzen, da es natürlich weich ist und keine Zusatzstoffe enthält. Wie Experten bestätigen, ist die Nutzung von Regenwasser durch Sammelsysteme eine der effektivsten Methoden zur Trinkwassereinsparung im Garten.
Die Kombination aus Regenwasserspeicher, durchlässigem Boden und gezieltem Gießen schafft eine hydrologische Balance: Der Garten versorgt sich weitgehend selbst, und die Gießkanne dient nur zur Anpassung bei langen Trockenphasen. Diese Selbstregulation ist das Ziel einer nachhaltigen Gartenbewirtschaftung – ein System, das mit minimalen externen Eingriffen funktioniert.
Ein oft übersehener Aspekt ist der Bodenaufbau. Kompost erhöht die Fähigkeit der Erde, Wasser zu speichern, ohne sie zu vernässen. Eine Verbesserung des Humusgehalts steigert die Wasserspeicherung des Bodens deutlich – organisches Material wirkt wie ein Schwamm, der Feuchtigkeit aufnimmt und langsam wieder abgibt. Dies stabilisiert den Wasserhaushalt über längere Zeiträume und macht den Garten resilient gegenüber Schwankungen.
Die Bodenstruktur selbst ist entscheidend: Lockerer, gut durchlüfteter Boden nimmt Wasser besser auf als verdichteter. Regelmäßiges Lockern der obersten Bodenschicht, ohne dabei die Struktur zu zerstören, fördert die Infiltration. Gleichzeitig verhindert eine intakte Bodenstruktur Staunässe, die zu Wurzelfäule führen kann.
Die Pflanzenauswahl als Wasserspar-Strategie
Die Pflanzenauswahl spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Einheimische und an das lokale Klima angepasste Arten benötigen naturgemäß weniger zusätzliche Bewässerung als exotische Gewächse. Wer seinen Garten mit robusten, standortgerechten Pflanzen bestückt, reduziert den Bewässerungsbedarf von vornherein. Dies bedeutet nicht, auf Vielfalt zu verzichten, sondern bewusste Entscheidungen zu treffen.
Die Mikroökologie des Gartens umfasst auch die Interaktion zwischen verschiedenen Pflanzen. Tiefwurzler und Flachwurzler können sich gegenseitig ergänzen, indem sie Wasser aus verschiedenen Bodenschichten nutzen. Bodendecker schützen die Erde vor direkter Verdunstung und schaffen ein kühleres, feuchteres Mikroklima. Solche Synergien zu nutzen bedeutet, mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie.
Kleine Anpassungen, große Wirkung: Die Mikroökologie des Wasserflusses verstehen
Die Effizienz im Garten hängt nicht von großen Investitionen ab. Sie entsteht durch Beobachtung. Wasser, das langsam einsickert, bewegt Nährstoffe gleichmäßiger durch die Bodenschichten. Dadurch nimmt die Pflanze Kalzium, Magnesium und Stickstoff besser auf. Wie Fachleute bestätigen, gelangt bei gezielter Bewässerung das Wasser direkt zu den Pflanzenwurzeln, sodass die Pflanze genau das trinkt, was sie braucht.
Das bedeutet: Wer sparsamer gießt, verbessert indirekt die Bodenchemie. Die Wurzelzone bleibt stabil, der elektrophysikalische Austausch im Boden erhält sich selbst. Viele Hobbygärtner wundern sich, warum ihr Garten trotz reichlicher Bewässerung blass wirkt – die Ursache ist fast immer Überbewässerung, die Nährstoffe ausspült und Wurzeln erstickt. Sauerstoffmangel im Boden durch Staunässe führt zu anaeroben Bedingungen, in denen schädliche Bakterien gedeihen und Nährstoffe in unverfügbare Formen umgewandelt werden.
Die Gießkanne korrekt einzusetzen heißt, den Fluss der Ressourcen im Gleichgewicht zu halten: Wasser, Nährstoffe, Licht und Luft. Alle diese Faktoren sind miteinander verknüpft. Zu viel Wasser verdrängt Luft aus dem Boden, zu wenig Wasser behindert den Nährstofftransport. Die richtige Balance erfordert Beobachtung und Anpassung – keine starre Regel, sondern ein dynamisches Verständnis.
Mikroorganismen im Boden spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie benötigen sowohl Feuchtigkeit als auch Sauerstoff, um organisches Material abzubauen und Nährstoffe pflanzenverfügbar zu machen. Eine gleichmäßige, moderate Bewässerung fördert diese biologische Aktivität, während Extreme – zu nass oder zu trocken – sie hemmen. Ein lebendiger Boden mit aktiver Mikroflora ist selbstregulierend und pflegeleicht.
Die Beobachtung der Pflanzen selbst gibt wertvolle Hinweise: Welke Blätter am Morgen deuten auf Wassermangel hin, hängende Blätter trotz feuchtem Boden auf Überwässerung oder Wurzelprobleme. Verfärbungen können Nährstoffmängel anzeigen, die durch ausgewaschene Mineralien entstanden sind. Diese Signale zu lesen bedeutet, den Dialog zwischen Gärtner und Garten aufrechtzuerhalten.
Die Gießkanne als Werkzeug der Achtsamkeit
Die Entscheidung für eine Gießkanne statt eines Schlauchs oder Sprinklers ist bereits eine bewusste Wahl. Sie erzwingt Langsamkeit, Präzision und Achtsamkeit – Qualitäten, die in der modernen Gartenpflege oft verloren gehen. Die körperliche Arbeit des Tragens und Ausgießens schafft eine direkte Verbindung zwischen Gärtner und Pflanzen, die bei automatisierten Systemen fehlt.
Diese Verbindung ermöglicht es, Probleme frühzeitig zu erkennen. Wer regelmäßig mit der Gießkanne durch den Garten geht, bemerkt Schädlinge, Krankheiten oder Mangelerscheinungen, bevor sie sich ausbreiten. Die Gießkanne wird so zum Instrument der Beobachtung und Pflege, nicht nur der Bewässerung.
Auch die psychologische Dimension sollte nicht unterschätzt werden. Die Zeit, die man mit bewusstem Gießen verbringt, ist eine Form der Entschleunigung. In einer hektischen Welt bietet der Garten einen Raum der Ruhe, und die ritualisierten Handlungen des Gießens, Jätens und Pflegens strukturieren diese Ruhe. Die Gießkanne in der Hand zu halten bedeutet, Teil eines natürlichen Rhythmus zu werden.
Eine gut geführte Gießkanne ist ein Lehrmeister für Nachhaltigkeit im Alltag. Sie zeigt, was Kontrolle und Bewusstsein bewirken können – nicht durch Verzicht, sondern durch Präzision. Wer sie richtig verwendet, verändert nicht nur seinen Garten, sondern auch seine Haltung zum Verbrauch. Diese Veränderung beginnt im Kleinen und kann sich auf andere Lebensbereiche ausweiten.
Der Garten reagiert sichtbar darauf: weniger Pilzkrankheiten, stabilere Wurzeln, längere Blühperioden. Und vielleicht das wichtigste Ergebnis – ein messbar geringerer Wasserverbrauch, ohne dass irgendetwas fehlt. Im Gegenteil: Pflanzen, die optimal bewässert werden, gedeihen besser als solche, die permanent überwässert werden. Die Qualität ersetzt die Quantität.
So wird die Gießkanne, unscheinbar und vertraut, zu einem Symbol der stillen Effizienz: ein Werkzeug, das jede Bewegung zählt und jeden Tropfen wertvoll macht. Sie repräsentiert eine Philosophie des bewussten Umgangs mit Ressourcen, die weit über den Garten hinausreicht. In einer Zeit, in der Wasserknappheit auch in gemäßigten Klimazonen zunimmt, gewinnen solche praktischen Fertigkeiten an Bedeutung.
Die Kunst des effizienten Gießens ist keine akademische Übung, sondern eine alltagstaugliche Praxis mit messbaren Ergebnissen. Sie erfordert weder teure Ausrüstung noch spezialisiertes Wissen, sondern vor allem Aufmerksamkeit und Konsequenz. Jeder Gärtner kann sie erlernen und an die spezifischen Bedingungen seines Gartens anpassen.
Die Zukunft der Gartenpflege liegt nicht in immer ausgefeilteren Bewässerungssystemen,
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